"Wir wollen, daß Kinder und Jugendliche  die Digitalisierung unserer Gesellschaft als Chance erleben"

Barbara Akdeniz, Stadträtin

 

 

Das Mediendiplom richtet sich vorrangig an Kinder und Jugendliche, da in dieser Altersgruppe sehr wichtige und prägende Erfahrungen im Bereich der digitalen Kommunikationsmedien gemacht werden. Gleichzeitig wird es auch ergänzende Angebote für Multiplikatoren und Eltern geben. Das Mediendiplom regt die Teilnehmenden dazu an, Probleme, mit denen sie durch die Nutzung von digitalen Kommunikationsmedien täglich konfrontiert sind, mit medienpädagogischer Begleitung kritisch zu reflektieren und das eigene Verhalten zu hinterfragen.

Die praktischen Angebote zum Umgang mit den digitalen Medien werden dann mit oder bei regionalen Medienpaten wie zum Beispiel der TU Darmstadt, dem Darmstadtium oder der Stadtbibliothek bereitgestellt. So können Kinder und Jugendliche verschiedene Orte und Einrichtungen in Darmstadt kennen lernen, sammeln Erfahrung im Sozialraum Darmstadt und können gleichzeitig etwas über den Umgang mit digitalen Medien erfahren. Das Mediendiplom soll zu einem festen Angebot für Darmstädter Kinder und Jugendliche werden und sich mit der Entwicklung der digitalen Medien immer weiter ausbauen. Gleichzeitig werden über die teilnehmenden Kinder und Jugendeinrichtungen oder Schulen auch Elternabende oder medienpädagogische Fortbildungen angeboten.

Förderung, Teilhabe und Schutz sind die Grundpfeiler einer modernen Medienbildung

Peter Holnick, Geschäftsführer 

 

Medienpädagogische Zielsetzung des Mediendiploms

Analyse und Reflektion der eigenen Medienbiografie
Kinder und Jugendliche finden in der Schule oder zu Hause nur selten kompetente Ansprechpartner für ihre Erlebnisse in den Medienwelten und den damit verbundenen Problemen. Sie wissen nicht, wie sie mit Mobbing im Chatroom, Darstellungsformen oder bei Facebook. Das aktive Arbeiten mit dem Handy im Workshop schafft in den Kleingruppen und den Reflektionsrunden Anlässe, eigene Konflikte zu verbalisieren und mit der Gruppe und professionellen Medienpädagogen zu diskutieren und Lösungswege zu finden.

• Kommunizieren über digitale Medien
Aktuelle Kommunikationsprozesse von Jugendlichen sind sehr stark durch und von den Medien geprägt. In wieweit die Kommunikation über twittern, chatten, mailen und simsen verläuft und welche Gefahren damit verbunden sind, wird mit den Kindern und Jugendlichen zusammen erörtert. Weiterhin ist unter diesem Thema anzusprechen, welche Daten bei Internet- und Portalprofilen veröffentlicht werden und welche Auswirkungen diese Offenlegung von privaten Daten haben können.

Heranwachsende im Umgang mit dem Handy sensibilisieren
Was darf ich fotografieren und filmen? Was ist illegal? Was ist das Urheberrecht oder das Recht am eigenen Bild? Die technischen Möglichkeiten des Handys locken Kinder und Jugendliche oft in den illegalen Bereich, ohne dass sie die daraus resultierenden  Konsequenzen erahnen. Durch das Erstellen der eigenen Clips lernen die TeilnehmerInnen, sich vor der Videoaufnahme Gedanken zu machen und genau zu überlegen, was sie drehen wollen und welche Aussage ihr Clip haben soll. Das schärft für die Zukunft den eigenen Blick und schult die Kritikfähigkeit bei der Rezeption anderer Clips.

Erfahrungsaustausch über negative Erlebnisse in der digitalen Kommunikation und Handlungsmöglichkeiten
Das Mediendiplom ist handlungsorientiert ausgelegt. Ein wichtiges Ziel hierbei: Strategien kennenlernen, wie man Risiken im Umgang mit dem Internet vermeidet und der Hinweis auf kinder- und jugendgerechte Seiten im Netz, auf denen viele Antworten auf Probleme und Fragen gegeben werden und sich die TeilnehmerInnen mit Gleichaltrigen in Foren austauschen können. Gleichzeitig geht es bei allen Angeboten des Mediendiploms auch um die Auseinandersetzung von Werte- und Verhaltensmustern in der digitalen Kommunikation.

Vom Konsumieren zum Produzieren - Das Handy als kreatives Medium nutzen
Smartphones fordern den Jugendmedienschutz förmlich heraus. Kinder und Jugendliche sind von der Mobilfunkbranche längst als lukrative Konsumenten entdeckt worden und werden hemmungslos und psychologisch geschickt vermarktet. Auch die KIM-Studie 2014 weist darauf hin, dass Kinder und Jugendliche den Großteil des Taschengeldes für das Handy ausgeben. Besonders beliebt sind Downloads von Spielen und Apps, sowie das (teure) Verschicken von Bildern und Fotos. Genau dieser „verspielte“ Umgang kann ein guter Zugang sein, um Heranwachsende zu motivieren, kreativ mit dem Medium zu arbeiten und eigene Töne oder Clips zu erstellen. Im Workshop lernen die TeilnehmerInnen Videosequenzen gezielt mit dem Handy aufzunehmen, auf den Computer zu überspielen und dann mit einem digitalen Schnittprogramm zu bearbeiten. Der fertige Film wird anschließend auf die eigenen Handys übertragen, so dass das Endprodukt sofort verfügbar ist. Dieser Produktionsprozess ist so angelegt, dass die SchülerInnen dem Workshop allein oder in Gruppen weitere Clips produzieren können und in der Lage sind ihre Fähigkeiten selbständig zu vertiefen.

• Videoplattformen im Internet vorstellen und deren Inhalt kritisch diskutieren
Videoplattformen bieten kreative Möglichkeiten und dienen der Selbstdarstellung. Einige enthalten jedoch auch pornographische oder gewaltvolle Darstellungen. Auch extremistische Gruppierungen finden in diesem Internetangebot eine Plattform, um ihre Gedanken, Lieder und Hassparolen einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. All das ist Anlass genug, um mit Heranwachsenden darüber zu diskutieren, auf was man bei der Nutzung von Videoplattformen achten sollte. Darüber hinaus werden ihnen hilfreiche Tipps gegeben, wohin sie sich wenden können, wenn ihnen Clips negativ auffallen. Das Einstellen der eigen produzierten Clips bietet eine gute Grundlage, um den Blick der WorkshopteilnehmerInnen zu schärfen, das eigene Unrechtsbewusstsein zu trainieren und die Machart anderer Clips zu thematisieren.
Thematische Auflistung der Inhalte des Mediendiploms


1. Umgangsformen im Netz

2. Apps und Kostenfallen

3. Chancen und Risiken im Netz

4. Möglichkeiten und Gefahren von Smartphones,

5. Cybermobbing;

6. Mediensucht

7. Computerspiele


Um die Wirkung von Medien auf Menschen zu verstehen ist Mediengeschichte, Filmsprache, Rolle der Medienindustrie sowie Radioarbeit ebenso ein Thema, das den Kindern und Jugendlichen vermittelt wird.

"Die Förderung der Selbstwahrnehmung von Kindern und Jugendlichen in einer medialen Welt ist ein wichtiges Ziel"

Mitsch Schulz,  MUK Hessen

 

Medienpädagogische Umsetzung

• Kombination von Theorie und Praxis

Durch das medienpraktische Arbeiten lernen Kinder und Jugendliche digitale Medien und Angebote unter neuen Gesichtspunkten zu betrachten und lenken ihren Blick vor allem auf die ästhetischen und kreativen Potentiale. Sie durchlaufen z.B. alle Produktionsschritte der Filmdrehens kennen und erleben diesen Prozess von der Idee bis zum fertigen Clip. Neben diesem praktischen Element bekommen sie wichtige Einblicke in Fragen des Jugendmedienschutzes. In Kleingruppen arbeiten sie im Team an Themen wie Kosten, Gesundheit, Recht und Risiken bei der Anschaffung und Nutzung von digitalen Kommunikationsmedien.

Reflektionsphasen, Austausch und Präsentation

Durch das Arbeiten mit professionellen Medienpädagogen bekommen die Heranwachsenden Anregungen und Tipps, die ihnen im Alltag oft fehlen, da es in ihrem sozialen Umfeld kaum professionelle Ansprechpartner aus der Medienpraxis gibt. Das medienpraktische Arbeiten schafft darüberhinaus in allen Produktionsphasen Anlässe, um das eigene Nutzungsverhalten zu reflektieren und mit den anderen Teilnehmern zu diskutieren. Regelmäßig stattfindende Austauschrunden bringen alle Kleingruppen immer wieder auf den gegenseitigen Stand der Produktion und klären die weitere Vorgehensweise. Am Ende des medienpädagogischen Prozesses steht die Präsentation der Medienprodukte, wobei jede Gruppe eigenständig überlegt, wie sie diese Präsentation in der  Öffentlichkeit gestalten will.

Das Mediendiplom ist ein Angebot, das sich immer wieder weiter entwickelt, so wie es die digitalen Medien und der Umgang mit Ihnen auch tut.

Angedacht ist eine Informationsbroschüre für Darmstädter Kinder und Jugendliche, in der sie Informationen, auch regionale Infos zum Thema digitale Medien bekommen können.
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